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Interview: Welt TV

    +++Interview+++ Politiker-Rankings messen vor allem Sympathie und Resonanz, nicht Regierungs- oder Führungsfähigkeit. Gerade in Zeiten politischen Frustes werden Zuspitzung und Protest eher belohnt als Ausgleich oder Verantwortung. Das sollte man bei der Interpretation solcher Zahlen im Hinterkopf behalten.

    Das gilt insbesondere für die schwachen Werte von Friedrich Merz, der als Kanzler die Hauptlast der sogenannten „Regierungskosten“ trägt. Diese Werte sind jedoch kein Ausreißer mehr, sondern Ausdruck eines Trends. Eine Mehrheit der Deutschen ist mit der Arbeit der Bundesregierung unzufrieden – und diese Unzufriedenheit färbt unmittelbar auf den Kanzler ab. Zugleich enttäuscht Merz eigene Erwartungen: Er wurde als Politiker mit Kompass und Orientierung gewählt, liefert jedoch weder eine klare Linie noch überzeugendes Erwartungsmanagement. Er polarisiert, integriert aber nicht. Was fehlt, ist Kanzler-Aura: Orientierung, Ruhe und Zuversicht. Außenpolitisch wirkt er souverän(er), innenpolitisch deutlich weniger. Das erklärt, warum Namen wie Hendrik Wüst oder Markus Söder immer wieder als Alternativen gehandelt werden.

    Dass Alice Weidel im Ranking im vorderen Bereich liegt, sagt vor allem etwas über die Stimmung im Land. Die AfD fungiert als Resonanzraum für politisch relevante Emotionen wie Ohnmacht und Wut. Weidel erscheint klar, konfliktfähig und berechenbar – vor allem im Vergleich mit dem übrigen Spitzenpersonal ihrer Partei. Und in Zeiten von Frust gewinnt nicht der Ausgleich, sondern die Zuspitzung, die ohne Regierungsvernatwortung um so leichter fällt. Davon profitiert Weidel politisch wie medial. – Das waren meine Gedanken im Gespräch mit Fanny Fee Werther und Alexander Siemon bei WELT TV (hier).