+++Interview+++ Zum Jahresende noch eine Niederlage für Merz – und zwar eine unnötige. Statt Günter Krings (ohne „h“) wurde ausgerechnet Annegret Kramp-Karrenbauer zur Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung gewählt. Wenn solche Wahlen offen gegen den Parteivorsitzenden – und Bundeskanzler – laufen, hinterlässt das einen sichtbaren Kratzer. Offenbar reichte Merzens Autorität nicht aus, um eine Mehrheit im KAS-Vorstand hinter seinem Kandidaten zu versammeln. In der Rekonstruktion dieser Niederlage zeigt sich zudem, dass Merz die Wahl seines Favoriten für einen Selbstläufer hielt. Mit anderen Worten: Er hat seine Autorität überschätzt – wieder einmal.
Autorität ist Ansehensmacht. Ihre Quelle ist nicht das Beharren auf einer herausgehobenen Position, sondern die Zuschreibung besonderer Fähigkeiten durch andere. Genau daran mangelt es Merz wiederholt in solchen Machtfragen, die die eigene Partei, Fraktion oder Koalition betreffen. In der Außenpolitik funktioniert es für ihn nicht zuletzt deshalb besser, weil er dort nichts mehr für selbstverständlich halten kann. Jeder Erfolg muss erarbeitet werden, jede Zustimmung ist Ergebnis von Verhandlung – nicht von Erwartung. So meine Analyse im Gespräch mit Isabelle Bhuiyan bei Welt TV (hier).