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Interview: Welt TV

    +++Interview+++ Die jüngste Forsa-Umfrage zu Heiligabend 2025 sieht Friedrich Merz leicht im Aufwind. Diese Zahlen sollte man jedoch keinesfalls überbewerten. Ja, zum Jahresende ist spürbar etwas Ruhe eingekehrt. Die Rentenrebellion scheint vorerst abgeebbt, zuletzt dominieren positivere Bilder: Merz im Kreis der europäischen Staats- und Regierungschefs, weniger innenpolitischer Dauerstreit, mehr außenpolitische Präsenz. Doch all das bleibt eine Momentaufnahme – und letztlich Kaffeesatzleserei.

    Was bleibt, ist ein anhaltendes Umfragetief, in dem die Regierung steckt – auch wenn ihre Leistungsbilanz objektiv betrachtet nicht ganz so schwach ist, wie es die Werte vermuten lassen. Im Parteienvergleich liegt die AfD weiterhin auf Augenhöhe mit der Union. Zugleich gelingt es den Christdemokraten bislang nicht, ihren vorhandenen Kompetenzvorsprung aus dem Sommer 2025 politisch in Zustimmung zu übersetzen.

    Das hat strukturelle Gründe, so mein Argument im Gespräch mit Thomas Klug bei Welt TV (hier). Sehr viel Geld wird für sehr große Aufgaben eingesetzt, ohne dass daraus bislang ein überzeugendes Reformprojekt entsteht. Viele Erwartungen, mit denen diese Regierung gestartet ist, wurden enttäuscht: der Anspruch, von Tag eins an regierungsbereit zu sein; ein pragmatisches Angehen der großen Baustellen; eine Reformagenda, die diesen Namen verdient; sowie Geschlossenheit innerhalb von Parteien und Koalition. Stattdessen dominieren schlechtes Handwerk, Parteiideologie und das Klammern an den Koalitionsvertrag – viel Ankündigungsrhetorik und immer wieder „Geampel“.

    Solange sich daran nichts ändert, brauchen Merz und seine Regierung auch nicht auf einen nachhaltigen Stimmungsumschwung zu hoffen. Die Umfragen werden dann weiterhin vor allem eines liefern: schlechte Nachrichten.