+++Interview+++ Die Weihnachtsansprache 2025 von Frank-Walter Steinmeier war konventionell – und in Teilen eine Fortschreibung der Rede von 2024. Im Zentrum stand erneut die Gemeinschaft. Steinmeier appellierte an Mut und Gemeinsinn und verwies auf die Pfadfinderaktion „Ein Funke Mut“, bei der das Friedenslicht aus Bethlehem nach Deutschland gebracht wird. Mut – im Großen wie im Kleinen – war das explizite Leitthema der Ansprache.
Gerade hier aber zeigte sich das Grundproblem solcher Reden. Der freiheitliche Staat lebt von Voraussetzungen – etwa Gemeinsinn und Mut –, die er selbst nicht verordnen kann. Wenn Politik überdies als mutlos, zögerlich oder taktierend wahrgenommen wird, wirken Appelle „von oben“ schnell wie eine leere Geste.
So war diese Weihnachtsansprache zweifellos wohlmeinend, aber kaum inspirierend. Das fügt sich in das größere Bild dieser Präsidentschaft. Steinmeier war in seinem früheren Politikerleben ein Vollprofi der Macht: Außenminister, Kanzleramtschef, Vizekanzler. Seine Amtszeit als Bundespräsident bleibt hingegen auffallend resonanzarm.
Nach dem dünnhäutigen Horst Köhler und dem skandalbelasteten Christian Wulff folgte mit Joachim Gauck ein Präsident moralischer Autorität und persönlicher Integrität, der dem Amt Vertrauen zurückgab. Steinmeier hingegen ist der Verwalter: kontrolliert, erfahren, vorsichtig. Der Versuch, eine prägende Leitidee seiner Präsidentschaft zu etablieren, ist bislang nicht gelungen.
Die Weihnachtsansprache 2025, so mein Kommentar gegenüber Carsten Hädler bei Welt TV (hier), passt in dieses Bild: anständig, gut gemeint – aber ohne eine Botschaft, die über den Anlass hinausreicht.