+++Interview+++ Wie ist die strategische Lage der SPD vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg? Durchwachsen. Der Wahlkampf ist stark personalisiert – faktisch ein Duell zwischen Manuel Hagel (CDU) und Cem Özdemir (Grüne). In einem solchen Setting hat es der SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch schwer, ein eigenständiges Profil zu entwickeln, zumal sein erklärtes Ziel auf Regierungsbeteiligung zielt.
Hinzu kommt eine strategische Fehlausrichtung: Während es in Nordrhein-Westfalen durchaus erfolgversprechend sein kann, die Grünen zur zentralen Zielscheibe zu machen, greift diese Logik im Südwesten nicht. Cem Özdemir genießt weit über das eigene Lager hinaus hohe Zustimmungswerte – auch unter SPD-nahen Wählergruppen. Eine Frontstellung gegen die Grünen droht daher, Mobilisierungsprobleme zu schaffen.
Diese Fehlausrichtung hat einen weiteren Preis: Sie verhindert, dass Fehltritte der CDU-Bundespolitik als Steilvorlagen für den eigenen Wahlkampf genutzt werden. Debatten wie jene um „Lifestyle-Teilzeit“ oder rentenpolitische Vorstöße hätten Ansatzpunkte geboten, um soziale Gerechtigkeitsfragen offensiv zu besetzen. Stattdessen bleibt die SPD strategisch blockiert. Damit wird Baden-Württemberg zum Lackmustest – nicht nur für einen Landesverband, sondern für die grundsätzliche Frage, ob die SPD ihre strategische Positionierung jenseits taktischer Gegnerschaft neu bestimmen kann. Das waren die Kerngedanken im Gespräch mit Carsten Hädler bei Welt TV (hier).